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Re: [IP-OA_Forum] Share of OA articles with APC vs. without: Data from the Austrian Science Fund (FWF)

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  • From: Klaus Graf <klausgraf@googlemail.com>
  • To: Expertenforum für die Informationsplattform Open Access (http://open-access.net/) <ipoa-forum@lists.fu-berlin.de>
  • Date: Mon, 7 Sep 2015 21:42:13 +0200
  • Reply-to: Expertenforum für die Informationsplattform Open Access (http://open-access.net/) <ipoa-forum@lists.fu-berlin.de>
  • Subject: Re: [IP-OA_Forum] Share of OA articles with APC vs. without: Data from the Austrian Science Fund (FWF)

Aus meiner Sicht ist allein der diamantene Open Access zukunftsfähig, bei der keine APCs anfallen, sondern die Veröffentlichungskosten durch Förderung des Anbieters (ob man den Verlag nennen mag, sei dahingestellt) erfolgt.

1. Open Access dient der Chancengleichheit, diese Einsicht geht hier zu vielen verloren.

Bei APCs sind wir von Chancengleichheit weit entfernt. 

Das gilt auch für Monographien. Österreichische Fachbuchautoren dürfen auf dicke fette FWF-Zuschüsse hoffen, die tatsächlich viele wichtige geisteswissenschaftliche Monographien ins Netz bringt, während die DFG es bei Lippenbekenntnissen belässt - der Anteil der OA-Monographien ist hierzulande denn auch verschwindend gering.

Waiver-Bettelei ist unwürdig. Reiche Institutionen sorgen für ihre STM-Autoren, während bei den Geisteswissenschaften eine APC-Kultur ersichtlich nicht besteht. Da man der Ansicht ist, dass das eigene Institut keine APCs tragen kann, lässt man das OA-Publizieren ganz.

2. Die Kosten für das Publizieren werden extrem übertrieben.

Die Darlegungen von Shieber 2012 hat noch niemand schlüssig wiederlegt:

http://archiv.twoday.net/stories/75229491/

Niemand kann mir erzählen, dass Netzplatz oder eine Domain sonderlich teuer ist. Viele gute Journals werden mit OJS

https://pkp.sfu.ca/ojs/

betrieben. Eher luxuriös ist das Arxiv ausgestattet, aber auch da ist man bei den Kosten per Artikel meilenweit von den angeblich kostendeckenden Artikelkosten entfernt.

Womit prekär Beschäftigte ausgenutzt werden, ob zur Unterstützung der Publikationstätigkeit ihres Professors oder als Redakteur einer OA-Zeitschrift, hat hier keinerlei Rolle zu spielen. Günstiger OA bedeutet nicht, dass man Menschen ausnutzt.

Wie jede Lektoratstätigkeit ist Copy-Editing, dessen Bedeutung extrem überschätzt wird, außerordentlich lehrreich. Ehrenamtlich oder im Rahmen einer Anstellung sich damit zu befassen, ist durchaus zumutbar. 

Nicht weniger organisierbar ist das Peer Review, wenn man nicht auf Open Review setzt. Qualität wird überschätzt, formulierte ich provokant:

http://digigw.hypotheses.org/1063

Die Herausgeber müssen den Manuskripteingang sichten und geeignete Beiträge an Peer Reviewer verteilen. Content-Management-Systeme helfen ihnen dabei. So what? Beide beteiligte Gruppen bekommen - üblicherweise - keinen Cent dafür, wie auch Wissenschaftsautoren anders als Belletristik-Autoren völlig leer ausgehen (vgl. aber § 32 UrhG).

Also: Was bitteschön ist so unglaublich teuer?

Klaus Graf



  



 


Am 7. September 2015 um 20:39 schrieb Hans Pfeiffenberger <hans.pfeiffenberger@awi.de>:
Liebe Frau Schmidt,

schön, dass Sie das Wort prekär einbringen! Das ist tatsächlich meine Befürchtung bei vielen Grassroots- und Projektmittel-geförderten Initiativen, dass sie, solange es hält, mittels "prekär" im öffentlichen Dienst Beschäftigter (Vertragsketten, halbe Stellen...) betrieben werden. Für ein qualitativ hochwertiges und über lange Zeit stabiles "Veröffentlichungswesen", um es mal funktional zu benennen, braucht es - unabhängig von der Art des Betreibers - auf jeden Fall ein nachhaltiges Finanzierungskonzept für die dauerhafte Phase nach einem evtl. Projekt, das u.a. auch nicht mit prekärer Beschäftigung "schön gerechnet" wird.

Wenn wir uns bezüglich der Kosten soweit ehrlich gemacht haben, käme als Zweites die Frage der möglichen Finanzierungsströme (aus Institutsmitteln, Projektmitteln, aus Bibliotheksbudgets, institutionellen oder gar nationalen "Töpfen" ... oder womöglich querfinanziert aus anderen Einnahmen von Gesellschaften). Das ist eine Sache, welche die Institutionen und die Förderer auf möglichst hoher Ebene zu lösen haben, nicht die einzelnen Autoren und nicht einmal die "Projekte". Und hier dürfen die "prekär finanzierten" Disziplinen nicht hinten runter fallen.

Bleibt schließlich die Frage der Abrechnung und der Transaktionen. Es wäre natürlich vorzuziehen, wenn Autoren - so wie die Leser heute - nicht mit solchen Mühsalen belastet würden. Das hätte aber den Nachteil, dass -  wie heute bei den Subskriptionskosten - nur wenige Augen auf den Kosten ruhen und Fehlentwicklungen dann erst spät oder gar nicht entdeckt werden können. APCs, also die "Kostenumlage" pro Artikel, hätte betriebswirtschaftlich den Vorteil, dass sie - im eingeschwungenen Zustand - am nächsten an den wirklichen Kostenstrukturen "dran" sind und somit nur wenig Verschleierung möglich ist.

beste Grüße,

Hans Pfeiffenberger

Am 07.09.15 um 11:47 schrieb Nora Schmidt:
Liebe Liste,

eine Fussnote zu SSRN: Mir scheint, als würde man hier von freien Lizenzen nicht viel halten. Falls ich was übersehen habe, würde ich mich freuen!

Eine Fussnote zu Ubiquity Press: Bei 800 Euro APC dürfte die Finanzierung in Frau Schuberts Fall bereits schwierig sein. Buchprojekte sind relativ seltene Ereignisse. Mitunter kann man dafür externe Förderungen bekommen. Artikel jedoch fallen mehrfach jährlich an. Ohne interne Mittel sieht es schlecht aus ...

Wenn Institutionen statt der reinen Finanzierung von externen APCs kooperativ verlagsähnliche Publikationsinfrastrukturen aufbauen würden, die z.B. auch von Verlagen modular angebotene Dienstleistungen nach Bedarf in Anspruch nehmen, könnte man zu einem Publikationswesen kommen, in dem die Forschenden von der Belastung durch Transaktionen freigestellt sind. Anstatt Zeitschriften und Kleinstverlage weiter im Prekariat um ihre Existenz kämpfen oder sich von den grossen, profitorientierten Verlagen schlucken zu lassen, könnte man anfangen, miteinander zu sprechen. Die DFG fördert Kleinstprojekte wie Language Science Press und der FWF beschränkt sich, soweit ich weiss, auf die Übernahme von Publikationskosten, die zumeist den Grossverlagen zukommen (ich spreche hier nur von den Förderungen, nicht von der ideellen oder strategischen Unterstützung). Mit etwas Glück wird das Modell von Open Library of Humanities (OLH) Schule machen. Weiss jemand etwas von OLH-Unterstützungsplänen im dt.-sprachigen Raum?

Beste Gruesse
Nora Schmidt


On 05 Sep 2015, at 08:55, Reckling, Falk <Falk.Reckling@fwf.ac.at> wrote:

Sehr geehrte Frau Schubert,



ich sehe das Problem, v.a. außerhalb von Drittmittelprojekten und wenn die Unis keine Publikationsfonds haben.



Allerdings stellt sich mir schon die Frage, woher die Mittel für die Druckkosten gekommen sind, die GeisteswissenschafterInnen für Buchpublikationen aufbringen müssen. Das meine ich nicht rhetorisch, sondern ist eine Frage an das Forum, ob es dazu Zahlen gibt? Für Österreich haben nur eine grobe Schätzung, die von ca. 3-4 Mio. aus: http://dx.doi.org/10.5281/zenodo.18338



Dazu speziell zu Alter Geschichte:



- In AUT haben wir den Umstieg von TYCHE gefördert: http://tyche-journal.at/tyche/index.php/tyche

- SSRN hat das Classics Research Network für Preprints etabliert: http://papers.ssrn.com/sol3/JELJOUR_Results.cfm?form_name=journalbrowse&journal_id=948047

- Ubiquity Press hat eine breites, kostengünstiges Angebot in Geistes- und Altertumswissenschaften:  http://www.ubiquitypress.com/

Beste Grüsse
Falk Reckling
_______________________________________________
Falk Reckling, PhD
Strategic Analysis
Department Head
Austrian Science Fund (FWF)
Sensengasse 1
A-1090 Vienna
Tel: +43-1-5056740-8861
Mobile: +43-664-5307368
Email: falk.reckling@fwf.ac.at<mailto:falk.reckling@fwf.ac.at>

Web: https://www.fwf.ac.at/en<https://www.fwf.ac.at/en/about-the-fwf/organisation/fwf-team/strategy-departments/strategy-analysis/vk/freckling/>
Twitter: @FWFOpenAccess
ORCID: http://orcid.org/0000-0002-1326-1766
________________________________
Von: Prof. Dr. Charlotte Schubert [schubert@uni-leipzig.de]
Gesendet: Freitag, 04. September 2015 09:00
An: Ulrich Herb; "Expertenforum für die Informationsplattform Open Access (http://open-access.net/)"
Cc: Reckling, Falk; Rieck, Katharina
Betreff: Re: [IP-OA_Forum] Share of OA articles with APC vs. without: Data from the Austrian Science Fund (FWF)

Liebe Kollegen, zwar als Neuling in Ihrer Runde, aber doch auch schon länger in diesem Feld unterwegs, möchte ich aus der Perspektive einer Wissenschaftlerin und Vertreterin eines der sog. Kleinen Fächer dazu nur folgendes bemerken:
- Kosten für die Publikation eines Artikels in Höhe von > 1000 Euro würden auf einen Schlag den gesamten Haushaltsetat meines Lehrstuhls für ein Jahr auf einen Etat für Bleistifte reduzieren.
- Die durch die DFG anfinanzierten Publikationsfonds der UBs sind - nach meiner Kenntnis - von den Naturwissenschaftlern schon komplett belegt.
- Die universitären Haushalte können das nicht übernehmen - die meisten sind längst an ihren Grenzen angekommen.
Fazit: Wir als Wissenschaftler müßten diese Kosten privat tragen. Soll das die Zukunft unseres wissenschaftlichen Publikationswesens sein??
Mit freundlichen Grüßen in die Runde
Charlotte Schubert


Prof. Dr. Charlotte Schubert
Lehrstuhl für Alte Geschichte
Historisches Seminar
Universität Leipzig
Beethovenstr. 15
04107 Leipzig

email:  schubert@uni-leipzig.de<mailto:schubert@uni-leipzig.de>
Tel.:  0341/9737071 und 0178/8324518


http://www.gko.uni-leipzig.de/historisches-seminar/seminar/alte-geschichte.html

http://www.uni-leipzig.de/~geschalt/ag000.htm

http://www.eaqua.net<http://www.eaqua.net/>




Am 04.09.2015 um 08:42 schrieb Ulrich Herb <u.herb@scinoptica.com<mailto:u.herb@scinoptica.com>>:

Hallo Herr Reckling,

als jemand, der keine Karriere in der Wissenschaftsbürokratie machen wird, kann
ich unbeschwert ausformulieren.

Psychologie, Moral oder "falsches Bewußtsein" bei WisssenschafterInnen mag
einiges erklären, an der Sache ändert es, so fürchte ich, wenig:

Es wird immer intedierte und nicht-intendierte Folgen von Interventionen (z.B.
APC-Erstattung) geben, aber bevor man eine Intervention beginnt, ist es
hilfreich sich zu überlegen welche Folgen durch die neuen Anreize produziert
werden können. So gesehen würde ein wenig Psychologie (Spieltheorie) oft nicht
schaden.

1) Gute Publikationsformate kosten etwas, ob kommerziell oder nicht
nicht-kommerziell. Es ist gerade das Problem vieler gut gemeinter
Initiativen, dass sie offenbar davon ausgehen, professional publishing wäre
nahezu gratis zu haben. Das erklärt auch, warum viele OA Journals
nahezu leer sind.

Was bei CELL etc. was kostet ist v.a. der Profit > 30%. Und Qualität gibt es
selten kostenlos, aber doch ohne APCs: Stellvertretend sei mal fqs
http://www.qualitative-research.net/index.php/fqs genannt. Statt die big five zu
alimentieren und die Konzentration im Publikationsmarkt zu forcieren
[http://www.heise.de/tp/news/Wissenschaftsjournale-Konzentration-Karriere-und-Kommerz-2721572.html],
sollte man lieber non-profit-OA à la  fqs fördern.

2) Kommerziell ist nicht gleich böse/schädlich und nicht-kommerziell gleich
gut/nützlich.

Nicht per se, das stimmt, aber die nachgewiesene Konzentration zugunsten
kommerzieller Verlage (s.o.), die übertriebene Gewinne einstreichen (und dies
nun auch im OA machen), ist ganz sicher schlecht, weil dysfunktionial und eine
naive APC-Politik fördert diese Dysfunktionalität.

3) Richtig ist, dass es für eine Preisbildung nach dem Leistungsprinzip mehr
Wettbewerb und Kostentransparenz braucht. Insofern sind die Zahlen > des FWF
doch noch recht ermutigend: (a) Es gibt noch eine Reihe von Anbietern (inkl.
kleinere), die sich den Markt teilen. (b) Der
Durchschnittspreis pro Artikel von € 1.200 liegt weit unter dem von
Subskriptionszeitschriften.

Ich sehe nicht wie die APC-Politik des FWF Transparenz schafft. Und ich
wiederhole mich, die Schaffung solcher APC-Förderung ist hoch reaktiv und wird
den Markt zugunsten steigender APCs ändern - sie schaffen die Anreize dazu. Wir
können uns in zehn Jahren gern den Schaden ansehen, der gerade geschaffen wird.


Viele Grüße


Ulrich Herb

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